In der Welt
zu Hause.

31.08.-08.09.2019

30.08.2019 Fachbesuchertag

Mikrocamper – Nein danke!

Lesen Sie die spannende Erzählung von Christin, wie und warum Ihre Abneigung zum Thema Micro-Camping zur Begeisterung umgeschlagen ist…

„Mikrocamper“ ich ließ dieses Wort auf meiner Zunge liegen und kaute unschlüssig darauf herum. Michael musste verrückt geworden sein. Da hatten wir einen 7m Allrad-Sprinter vor der Tür stehen und er träumt von so einem kleinen Ding. Dabei ist unser Reisemobil urgemütlich. „Jetzt zieh doch nicht so eine Grimasse“, holte er mich aus meinen Überlegungen. „Mit dem Sprinter ist mir das in den Westalpen echt zu stressig. Die kleinen und engen Straßen. Dafür ist er viel zu behäbig. Er ist nun mal eine rollende Einraumwohnung.“

Zufällig mochte ich unser kieselgraues Monster mit dem Festbett, der Kuschel-Ecke und der Trocken-Trenn-Toilette. Energisch schüttelte ich meinen Kopf. Das war doch eine absolute Schnapsidee. Den ersten Gedanken sprach ich aus „Wo zur Hölle sollte ich denn meine ganzen Klamotten verstauen?“ Michael nahm mich in die Arme und flüsterte leise in mein Ohr „Lass mich mal machen. Du wirst nichts vermissen.“

Ein Jahr später stand ich am Fort Central und sollte eine weitere Nacht in unserem Jeep, Alfred, verbringen. Der Wind zupfte an meinen Haaren, die unter einer dicken Wollmütze hervor lugten. Ich schlang die Arme um meinen Körper und kniff die Augen zusammen, während Michael im Wageninneren rumorte. Irgendwie hatte ich mir Minimalismus romantischer vorgestellt.

Kleine Regentropfen legten sich wie eine zweite Haut auf mein Gesicht. Das war ein bisschen merkwürdig, da es eigentlich nicht regnete. Ich seufzte schwer, als ich an meinen geliebten Sprinter dachte. Ich könnte jetzt entspannt auf dem Sofa sitzen und eine dampfende Tasse Tee in den Händen halten. Die Standheizung wäre an und warme Luft würde mich umhüllen wie ein kuschliger Mantel. Erneut seufzte ich. Das einzige was hier dampfte, war mein Atem.

„Das Bett ist fertig aufgebaut. Und lausch mal…“sagte Michael neben mir. Ich tat ihm den gefallen und spitzte meine Ohren. Das unverkennbare Summen der Standheizung war zu hören. „Findest du es auch so toll wie ich? Im Sprinter hockt man die ganze Zeit drinnen und bekommt eigentlich nichts mit. Das ist jetzt anders. Wir sind viel mehr draußen.“ Ich blieb stumm. Er hatte ja irgendwie recht, aber bequem war es im Sprinter halt doch.

„Komm, ich mach uns einen Tee.“ Michael öffnete die Hecktür und klappte unseren Tisch aus. Das war ein ganz raffiniertes Ding. Es entstand ein kleiner Tresen, an den ich mich erwartungsvoll stellte. Ich strich fasziniert über die dünne Holzplatte. „Sag mal, warum ist hier alles so nass, obwohl es überhaupt nicht regnet?“ Michael entzündete den Gaskocher. „Na, wir stehen in einer Wolke, auf 1925m.“ Gluckste er amüsiert. „Ich wusste gar nicht, dass man überhaupt in einer Wolke stehen kann.“ „Das hättest du im Sprinter auch nie erfahren. Sag ich doch, dass es mit so einem Mikrocamper toll ist. Man ist viel näher an der Natur und erlebt was.“ Nachdem ich doch noch einen dampfenden Tee bekommen hatte, kroch ich in meinen Schlafsack. Überraschenderweise war es nicht kalt, sondern muggelig warm. Zufrieden schloss ich meine Augen und schlief ein.

Etwas feuchtes berührte mich an der Nase. Ich zog meinen Schlafsack über den Kopf, in der Hoffnung, dass dieses nasse Etwas verschwand. Es schien zu funktionieren. Also, entspannte ich mich wieder und wollte gerade wegdämmern, als sich etwas in meinen Schlafsack wühlte. Das hörte auch gar nicht mehr auf. Ich gab mich geschlagen und öffnete den Reisverschluss. Sofort hopste unser Hund Einstein auf mich und schlabberte mir übers Gesicht. An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken.

„Guten Morgen“ schallte es nun auch von links in mein Ohr. Michael war demnach auch schon wach. „Aufstehen du Schlafmütze! Die Sonne scheint.“ „Hmm, die ist nachher auch noch da.“ Brummte ich undeutlich. Jetzt ging der Spaß erst los. Wir lagen nämlich auf Isomatten, die wir erst wegräumen mussten, um an unsere Klamotten zu kommen. Das war nur eine Übergangslösung. Anstelle der Matten würden dann Polster liegen, aber das nützte mir jetzt überhaupt nichts. Das war eine furchtbare Kramerei. „Ich mache mich zuerst fertig, dann hast du Platz und Freiraum für dich.“

Michael pfiff gut gelaunt und nachdem er seine Sachen verstaut hatte, ging er mit Einstein nach draußen. Ich atmete erleichtert auf und schälte mich aus meinem Schlafsack. Hier war es viel enger und menschlicher als im Sprinter. Alles musste sofort weggepackt werden und das nervte schon ziemlich. Deswegen schimpfte ich die ganze Zeit vor mich hin und wühlte in meiner Klamotten-Kiste. Diese war mit drei T-Shirts, Unterwäsche und einer Wechselhose gefüllt. Deutlich weniger, als ich bisher gewohnt war. Da redeten alle immer vom Verzicht und wie befreiend das war. Um ehrlich zu sein, spürte ich davon bisher noch nichts.

Ein verführerischer Kaffeeduft lockte mich nach draußen. Neugierig ging ich zur Hecktür. Dort erwartete mich Michael mit einem breiten Grinsen und hielt mir eine Tasse Kaffee unter die Nase. „Hast du gut geschlafen?“ „Ja, das hatte ich tatsächlich.“ Der erste Schluck Kaffee weckte meine Lebensgeister und ein kleines Lächeln stahl sich auf mein Lippen. So übel war die Sache mit dem Mikrocamper gar nicht. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel und leckte die letzten Wassertropfen von der Erde. Vögel schnatterten wild durcheinander und aus weiter Ferne konnte ich sogar Kuhglocken hören. Eigentlich ein perfekter Morgen. Vielleicht wird das doch noch was  mit mir und dem Mikrocamper. Jetzt ging es erstmal auf die Ligurische Grenzkammstraße, darauf hatte sich Michael schon das gesamte Jahr gefreut.

In den nächsten Tagen entwickelten wir eine Routine, die uns beiden passte. Da nach und nach jeder Handgriff saß, war ich von den beengten Verhältnissen auch nicht mehr genervt. Jeder hatte seinen festgelegten Aufgabenbereich und so kamen wir uns nicht mehr in die Quere. Langsam verstand ich Michaels Begeisterung für diese Art des Reisens. Es hatte tatsächlich etwas Befreiendes, nur mit dem Nötigsten unterwegs zu sein.

Ich stand dieser Reise enorm skeptisch gegenüber und hatte meine Anlaufschwierigkeiten, die ich vor mich hin schimpfend, allen mitgeteilt hatte. Nachdem ich jedoch meine Komfortzone verlassen hatte, konnte ich mich darauf einlassen. Danach wurde  es absolut klasse und ich konnte unser Abenteuer, Mikrocamper, genießen!

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