05.-13.09.2020

In der Welt
zu Hause.

05.-13.09.2020

04.09.2020 Fachbesuchertag

DIY Fahrradträger für Kastenwagen

Wilhelm Klinke teilt seine Gedanken und Erfahrungen mit der Planung und Herstellung eines seitlich verschiebbaren Fahrradträgers für Kastenwagen. Viel Spaß mit dem Bericht!

Im Frühjahr sind wir mit unserem Jumper unterwegs in Südspanien, wir haben die Fahrräder dabei und wollen am Cabo de Gata und weiter westlich ausgedehnte Radtouren unternehmen. Doch es stürmt seit Tagen, an Radfahren ist nicht zu denken. Wir fahren weiter, besuchen Cordoba, Toledo, Madrid und weitere interessante Städte, die Fahrräder dabei ungenutzt am Heck auf unserem alten Fahrradträger.

Bei den nahezu täglich wechselnden Standorten stellt sich der starre Fahrradträger auf der Anhängerkupplung als sehr störend heraus, man kommt nicht an den Heckstauraum. Obwohl verschiedene Gegenstände zwischenzeitlich im Innenraum abgelegt werden, fehlte häufig etwas, wie die Unterlegkeile, ein Wasserkanister oder das Stromkabel.

Was kann man dagegen machen? Ein Blick in den Katalog eines renommierten Zubehör-handels. Ja, es gibt schwenkbare oder verschiebbare Träger. Verschiebbar wäre gut, aber nur in eine Richtung, man kann dann nur eine Tür öffnen.

Eine Recherche im Internet: Es gibt beidseitig verschiebbare Teleskopschienen. Ich muss nur noch dazu einen Träger konstruieren und auf den Teleskopführungen eine Plattform zur Aufnahme unserer Fahrräder. Die Schienen werden bestellt, dann stelle ich fest, es gibt doch einen beidseitig verschiebbaren Träger „Slide Move DS-250“, zu sehen auf dem Caravan Salon in Düsseldorf. Zu spät – die Umsetzung eigener Ideen ist viel spannender.

Bei so einer Entwicklung sind natürlich viele Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Wesentlich ist die Verantwortung, die letztendlich der Erbauer bezüglich der Verkehrssicherheit hat. Zusätzlich soll das Konzept schlüssig sein. Hierfür habe ich die Überlegungen aufgezählt, die zu diesem Eigenbauträger führten:

  • Herstellung mit überschaubarer Komplexität mittels der vom Fahrzeugausbau vorhandenen Werkstattausrüstung
  • Material kompl. selbst beschaffbar
  • Anschluss an die Aufnahme der Anhängerkupplung, kein Anschluss an die Bodengruppe mit aufwändig herzustellenden Bauteilen/Teleskopführungen
  • Geringes Gewicht durch Verwendung von Leichtmetall und Minimalabmessungen für die Mitnahme der vorhandenen 2 Fahrräder
  • universale Verwendbarkeit, möglichst auch umbaufähig für einen leichten Roller oder verwendbar als Lastenträger
  • Vertretbarer Montageaufwand, durch eine Person durchführbar

Mit diesen Vorgaben entsteht im Sommer die Konstruktion, nicht in einem Zuge, sondern in kleinen Schritten – laufende Verbesserungen nicht ausgeschlossen.

Dann die Berechnung, unter Verwendung einer im Internet gefundenen UNECE-Vorschrift.

Das Material wird über das Internet bestellt, die Alu-Profile nicht als 6-m-Stange, sondern auf die größte Einzellänge zugeschnitten. Beleuchtung und Teile der Fahrradbefestigung stammen von einem gebrauchten Träger, erworben über die Ebay-Kleinanzeigen.

Nun kann die Fertigung in der Selbstausbau-Werkstatt starten.

Bei der Werkstattausrüstung fehlt ein Schweißgerät, also beschränke ich mich auf Sägen, Biegen, Bohren und Montieren. Leichtmetall lässt sich gut mit einer Holzbearbeitungs-Kreissäge schneiden, wenn das geeignete Vielzahn-Sägeblatt montiert ist, und die Plattform ist zunächst eine wasserfeste Sperrholzplatte. Für die eigenen Fahrräder braucht man keine Schienen, es reichen Langlöcher in der Platte und eine gleichgroße Tafel könnte auch der Boden einer Transportkiste sein.

Bei der Erstmontage stellt sich heraus: Ein Holzbock als Hilfseinrichtung ist noch eine gute Ergänzung.

So war die Herstellung in 2 Wochen bewerkstelligt. Danach folgte ein erster Test per Sitzprobe. Etwas länger dauerte die Zulassung, bedingt durch die Erstellung der Dokumentation.

Mit der vorgelegten Berechnung ist jedoch die Abnahme beim TÜV problemlos, der Träger wird in der Zulassungsbescheinigung eingetragen.

Nun konnten wir endlich mit unseren Rädern auf dem Heckträger am Straßenverkehr teilnehmen. Ein erster Test über eine Straße mit Schlaglöcher und starken Wellen, dann die erste Fahrt mit dem neuen Träger an einem sonnigen September-Wochenende an die Mosel. Anschließend war noch eine Tour durch die Alpen geplant, gewissermaßen als Härtetest, leider mussten wir aus anderen Gründen die Fahrt verschieben – auf das kommende Frühjahr und dann nach unserer jetzigen Planung gleich weiter bis nach Korsika.

Die ausführliche Beschreibung gibt es hier im Video:

Linktipps

Wilhelm’s YouTube Kanal

Wilhelm’s Blog

Mehr von Wilhelm