29.08.-06.09.2020

In der Welt
zu Hause.

29.08.-06.09.2020

28.08.2020 Fachbesuchertag

In Bir Tam-Tam links ab

Vor drei Wochen haben Eva und Wim ihre zweimonatige Wohnmobilreise nach Marokko angetreten. Was sie seither alles erlebt haben, erzählen Sie in diesem ersten Bericht. Viel Spaß beim Lesen!

Mein leicht angesäuert wartender Wim, der vom Womo-Fenster aus meine „wechselnden Männerbekanntschaften“ im Laden gegenüber beobachten konnte, nimmt die Fressalien in Empfang, seine Mine erheitert sich angesichts der in Kürze anstehenden Nahrungsaufnahme.

Dafür müssen wir aber noch ein geeignetes Plätzchen suchen. Und dieses ist greifbar nah und auch wieder nicht. Denn leider können wir nicht ans Ufer des sich zu unserer Rechten ausbreitenden riesigen Barrage Idriss 1er gelangen.

Einige wenige Parkbuchten sind mit Flaschenkürbis-Händlern belegt, andere total vermüllt, unmöglich für die Hunde, auch nur eine Pfote aus dem Womo zu setzen. Gedanken zum Thema Müll, der sich auf unserer bisherigen Reise wirklich sehr in Grenzen hält, werden schnell überlagert von der wunderschönen Landschaft. Wie ein Edelstein liegt dieser weit verzweigte Stausee unterhalb. Die Draufsicht ist gigantisch schön, ein faszinierendes Farbenspiel. Die Straße führt lange daran vorbei, sehr genussreich lange.

In Bir Tam-Tam biegen wir links ab auf die P5043, wenig später nach rechts auf die P5031. Wir hoffen, am bald auftauchenden Barrage Allal El Fassi irgendeine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Auf der Strecke werden plötzlich am linksseitigen Horizont massige, schneebedeckte Bergrücken sichtbar.

Immer wieder ist auch das für uns ein Schauspiel der besonderen Art auf unseren Touren durch Marokko. Etliche Hügel- und Bergkuppen liegen wie in Wellen davor, grün und satt, wodurch der weiße Schnee in seiner ganzen Pracht unter der Sonne und dem Himmelsblau erst so richtig strahlen kann. Was wären die Großen ohne die Kleinen? Wir haben wieder einmal Gedankenanstöße, die sich in hektischen Zeiten zuhause erst gar nicht einstellen.

Hinter der nächsten Kurve blinzelt das Türkisblau unseres Tagesziels für heute zu uns hinauf: der in einer Talsenke liegende Barrage Allal el Fassi. Umgeben von sanft abfallenden, mit gelb blühenden Büschen bewachsenen Hügeln liegt er da in wohltuender Stille, die einen schon im Womo packt, obwohl uns die Frontscheibe noch trennt.

Ein großer Schotterplatz tut sich auf mit Seeblick, perfekt geeignet für einen One-night-Stand. Weiter unten direkt am Ufer stehen PKW. Wir kreiseln nach unten, aber eine Zufahrt mit unserem Vehikel ist ausgeschlossen.

Also fahren wir zurück und platzieren uns auf dem Schotterplatz, richten uns ein, und jetzt ist er dran, dieser vor Bir Tam-Tam eingekaufte Hühnersuppen-Döner, endlich. Und er ist köstlich, smakelijk, wie der Holländer sagt. Und wider Erwarten schmeckt auch das Gläschen Wein hervorragend dazu. Der Abgang des Weins und der Abhang zum See sind prächtig. Und die Sonne heiß, schwitzen angesagt.

Was soll ich sagen, es dauert nicht sehr lange, und zwei junge Männer erscheinen auf der Bildfläche. Wie sich rausstellt, ist einer Mitarbeiter der Stausee-Gesellschaft, der andere perfekt Englisch sprechende junge Mann lebt hier mit seiner Familie und betreibt eine „Farm“. Er bittet uns, ihm dorthin zu folgen, aus Sicherheitsgründen mal wieder.

Hatten wir das alles nicht schon mal? Er ist sehr sympathisch, sein Angebot verlockend. Auf unserer ersten Reise durch Marokko hätten wir ein solches Angebot niemals angenommen, wir Deutschen fahren nun mal nicht einfach zu Fremden auf den Hof, um es sich dort gemütlich zu machen. Aber jetzt, so mit unserer „großen Erfahrung“, ist die Zeit reif, und wir wollen das endlich mal Horizont erweiternd angehen, und ohne großes „TamTam“ ein Stück weit hinter Bir Tam-Tam verlassen wir mit Yaya (gesprochen: Jachjach) auf dem Beifahrersitz unser geschottertes Nachtlager … mit für uns ungewissem Ziel.…“