29.08.-06.09.2020

In der Welt
zu Hause.

29.08.-06.09.2020

28.08.2020 Fachbesuchertag

Von Topladern und Tiefladern und unechten Oasen

Vom blauen Himmel und vom lauen Lüftchen heute morgen würden wir gerne etwas abgeben an all die zu Hause gebliebenen…Lesen Sie hier Teil 3 von Eva und Wim’s Abenteuer in Marokko!

Unsere Nachbarn mit dem – wie wir gestern Abend lernten – Expeditionsfahrzeug, so nennen sich diese motorisierten, überdimensionalen Wüstenspringmäuse mit Reifen bis zu meinem Hals, packen auf und ziehen weiter gen Wüste. Klar, dass der LKW schon mit den Gummihufen scharrt, der muss raus, der will in den Sandkasten, der will spielen. Wir verabschieden uns herzlich, war ein schönes Zusammentreffen hier.

So schnöde zurück gelassen, fällt mir komischerweise unsere Schmutzwäsche ein, die sich als Folge mit mir auf den Weg zur platzeigenen Waschmaschine macht. Toplader, na ja, nicht grad eine Alternative zum eben abgefahrenen, höher gelegten Tieflader, aber der Toplader gibt alles, und ich kann nach 30 Minuten in die Trommel greifen, topentladen und tiefenentleeren.

Waschmaschinentechnisch wissen nun die Hausfrauen unter uns Bescheid, Tiefenentleerung ist hier, im Gegensatz zu Aufbaubatterien im Womo, äußerst wichtig, denn wie oft übersieht Frau die sich geschickt eingekeilte nasse Socke in der hintersten Ecke der erhöhten Stege der Trommel. Und dann hängt flott der Haussegen schief, weil die Hausfrau zwar alle Tassen im Schrank, aber nicht alle Socken im selbigen hat und unter üblichen Vorwürfen dem Mann anlastet, er habe wieder mal seine schmutzigen Klamotten nicht ordentlich zusammen gesammelt, es fehle schon wieder eine seiner Socken. 

Möglicherweise fördern das Vogelgezwitscher in den Palmkronen und das Geplätschere der Wasserrinnen in den Oasengärten solcherlei Gedanken beim Wäscheaufhängen auf platzeigener Leine zwischen Lehmmauern. Warum sonst sollte ich jetzt über so einen Scheiß nachdenken.

Es kann auch sein, dass sich allmählich im Zuge fortschreitender Entschleunigung eigentümliche Gedankenspiele anbahnen. Spielen, ja, das wär‘s jetzt. Spielen mit meinem neuen Ball zum Beispiel, dem gläsernen, dem „Lensball“. Also Kamera und Kugel einsacken und ab in die Gärten. Es ist der erste Einsatz. Heute ist der passende Tag. Rosen finde ich zwar keine, wäre auch zu aufgesetzt heute am Rosenmontag, aber andere Schönheiten der Oase, die sich spiegeln lassen. Zeit mit so etwas zu verbringen, ist doch wirklich reiner Luxus. 

Der immer freundliche Betreiber des Platzes begleitet mich ein Stück. Seine bedächtige Haltung, sein Blick auf seine Welt, in dieser Fremdartigkeit der Umgebung, die Ruhe, oder besser Stille, das Spiel von Licht und Schatten, alles nimmt einen auf und mit. Man wird ein Teil davon, was einfach herrlich ist, ohne esoterischen Touch, trotz Glaskugel in meinem Gepäck. 

Gelesen habe ich, dass unterschieden wird zwischen „echten“ und „unechten“ Oasen. Flussoasen gehören zu Letzteren. Das ist mir aber hier im Tal des Ziz herzlich egal. Alles um mich herum ist von purer unverstellter Echtheit.

Ich bespreche auf dem Rückweg noch etwas mit Nachbarsesel, dann wird Wäsche abgehangen mit leichter, frischer Lehmduftnote. Wim jagt und erlegt inzwischen zwei Brote, ich hänge mit den gesammelten Glaskugel-Bildern ab. Schönes Leben! Rollenverteilung klar, später auch, Wim grillt nämlich 😉 … denn einen Mettigel bekommen wir hier in Marokko zur flimmernden Kölner Karnevalssitzung nicht hin.