26.08.-04.09.2022

LEIDENSCHAFT, DIE VERBINDET.

26.08.-04.09.2022

Das Abenteuer Wintercamping in den Bergen

Jahrelang habe ich allen Leuten die es hören wollten (oder auch nicht hören wollten) gesagt, WINTERCAMPING MIT EIS UND SCHNEE? NIEMALS!!!

Ich war zwar schon immer das gesamte Jahr über mit dem Reisemobil unterwegs, aber der Winter im Ruhrgebiet, an der Nordseeküste oder sonstigen Schnee freien Orten konnte ja auch schön sein.  Allein wenn ich daran gedacht habe, ich müsste mit dem Reisemobil über glatte Strassen fahren um dann auch noch extreme Steigungen zu überwinden, wurde mir angst und bange.

Doch dann kam alles vor einigen Jahren anders.

Durch meinen Job hatte ich die Möglichkeit ein super winterfestes neues Reisemobil für einige Wochen zu testen. Naja und wie sollte ich dieses Fahrzeug im Winter wirklich testen, wenn ich nicht in die Berge fahre mit der Aussicht auf Eis und Schnee? Außerdem bekomme ich diese Chancen auch nicht ständig.  Wenn also schon Wintercamping in den Bergen, dann mit diesem Reisemobil.

Also bin ich kurz nach Weihnachten zu meinem ersten Wintercamping Abenteuer in den Bergen aufgebrochen und ich kann es nicht anders sagen, keine andere Wintertour war letztendlich so schön wie diese.

Ja, das Ganze sollte sich letztendlich tatsächlich noch zum Abenteuer entwickeln, allerdings zu einem ganz, ganz schönen.

Die gesamte Tour begann für mich überraschend positiv. Es hatte zwar in den letzten Tagen in der Zugspitz-Region und dementsprechend groß waren meine Befürchtungen rund um die Verkehrssituation, aber je weiter ich in die Berge kam, je besser wurden die Strassenverhältnisse.

Der Vergleich zwischen Schnee im Ruhrgebiet und Schnee im südlichen Bayern hinkt gewaltig. Diese ganze Panik vor den Strassenverhältnissen war absolut unbegründet! Die Wege waren bestens präpariert und so viel nehme ich hier schonmal vorweg, eigentlich kann man immer sagen, die Strassen und Wege bis zu einem Campingplatz, sind für Camper auch zu nutzen, erst recht mit einem klassischen 3,5 T Mobil.

Wintercamping auf dem Campingplatz

So kam ich also ohne weitere Probleme am Campingplatz in der Zugspitz-Region an, richtete mich „häuslich“ ein und hatte erstmal 3-4 entspannte Tage samt leichtem Schneefall.

Da ich keine große Ski-Fahrerin bin, war ich tagsüber meist zu Fuß unterwegs. Die schneebedeckten Felder, Wanderwegs und Wälder, dazu das Einkehren in gemütliche Hütten und abends kehrt man zurück zum warmen Reisemobil, gemütlicher geht es eigentlich kaum.

Da meine Hündin an Silvester immer sehr ängstlich war, hatte ich mir vorab noch einige Gedanken gemacht. Hoffentlich schallt der Knall durch Raketen und Böller durch die Berge nicht viel stärker zurück, als eh schon üblich. Nicht das diese Nacht für meine Hunde Oma der große Horror wird. Doch auch diese Sorge war unbegründet. Zum einen durfte auf dem Camping selbst eh nicht geböllert werden und zum anderen hatte ich das Gefühl, dass der Schnee die Geräusche deutlich dämpft.

Selten war eine Silvesternacht für meine alte Hündin so entspannt wie diese.

Doch an Neujahr veränderte sich die Wetterlage deutlich und es begann zu schneien und zu schneien und zu schneien.

Zwischenzeitlich waren die Schneemassen so groß, dass ich dreimal am Tag das Reisemobil vom Schnee befreien musste. Was tagsüber ja ganz gut zu machen ist, aber Nachts dafür aufstehen? So schlimm wird es schon nicht werden. 🙂 Tja, doch dann kam die Nacht und ich hörte die Flocken stumpf auf das Dach fallen, bis ich innerhalb von Sekunden sehr gemütlich einschlief. Die Überraschung am nächsten Morgen war dementsprechend groß.

Zu Beginn bekam ich die Aufbautür gar nicht auf, also bin ich erstmal über die Fahrerseite raus gestiefelt und habe die Aufbautür frei geschaufelt. Meine Hundedame setzt mutig zum Sprung an… und war im Schnee verschwunden.

Während ich also morgens langsam damit begann mal wieder Schnee zu schaufeln, merkte ich deutlich, dass viele Camper um mich herum relativ hektisch über den Platz liefen. Diese Hektik nahm auch nochmal etwas zu, bis die Betreiber am frühen Mittag von Parzelle zu Parzelle liefen um alle Camper zu informieren.

Die Schneemassen der letzten Stunden waren einfach zu groß und jetzt stand fest, der gesamte Ort ist für die nächsten 48-72 Stunden abgeriegelt. 

Wintercamping: der Morgen danach
Wintercamping: der Morgen danach

Es half also alles nichts, da konnten sich meine Campingplatz Nachbarn noch so aufregen, an den nächsten 2-3 Tagen würde niemand diesen Platz bzw. den gesamten Ort verlassen können. Natürlich gab es für Notfälle Hilfe, aber zum Glück gab es keinen echten Notfall auf dem Platz. Hier halt nur Ruhe bewahren und entspannt abwarten. Es ist, wie es ist!

Doch nachdem jedem klar war, wir hängen hier jetzt erstmal einige Tage zusammen fest, wurde der Aufenthalt um so schöner.

Die Platzbetreiber versorgten alle Camper mit ausrechend Gas, abends saßen die allermeisten Touristen im kleinen Restaurant am Campingplatz zusammen und alle Verantwortlichen vom THW bis Platzbetreiber waren einfach spitze. Immer wieder kam irgendwer vorbei und fragte ob alles ok sei, ob ich noch was bräuchte, selbst an so Themen wie Medikamente wurde gedacht, denn je nach Schneefall konnte es auch sein, dass wir noch einige Tage länger fest sitzen werden. Die Meteorologen waren sich die ersten 1,5 Tage uneinig.

Ich habe bis dato nie wieder einen solchen Zusammenhalt auf einem Campingplatz gespürt. Selbst speziellen Lebensmittel, die es nicht mehr im Campingsupermarkt gab, wurden untereinander ausgetauscht.

Die Stimmung war grandios!

Nach 3 Tagen sagte der Wetterdienst, dass es eine kurze Schneepause geben wird, bevor erneute Schneemassen zu erwarten sind. Da niemand so recht wusste, was danach folgte und es die Strassenwacht  geschafft hatte die wichtigsten Wege zu räumen, war das leider auch für mich der Moment, den Platz zu verlassen. Doch ganz ehrlich, hätte ich nicht langsam beruflich los gemusst, ich glaube ich wäre noch stehen geblieben.

Ein Problem gab es allerdings noch.

Ich konnte das Reisemobil und den Platz zwar soweit vom Schnee befreien, dass eine Abfahrt möglich gewesen wäre. Allerdings hatte sich bei allen Campern direkt vor bzw. hinter den Reifen eine mehrere cm dicke Eisplatte gebildet. Selbst Camper samt Allradmobil hatten erhebliche Probleme vom Platz zu kommen, da die Reifen kaum Grill hatten.

Doch auch gegen dieses Problem hatte der Campingplatz eine Lösung.

Dank eigener kleiner Schneeraupen wurden alle Gäste die abreisen wollten über die Eiskannte gezogen und von da an musste ich nur noch schön gleichmäßig über die Schneedecke rutschen und bis zur geräumten Strasse vor fahren. Sobald ich die Strasse erreicht hatte gab es keinerlei Probleme mehr, die Mädels und Jungs vom Winterdienst hatten super Arbeit geleistet.

Winterdienst auf dem Campingplatz

Wintercamping von seiner schönsten und abenteuerlichsten Seite.

Seit dieser Erfahrung bin ich eigentlich jeden Winter in den Bergen unterwegs (wenn es Corona zulässt) und auch für dieses Silvester ist der Platz im Allgäu bereits reserviert.

Für ein rundum schönes Wintercamping Abenteuer ist eines allerdings ganz wichtig, viel, viel wichtiger als zu einer Sommertour… die richtigen Vorbereitungen!

Mein eigenes Reisemobil ist so halb winterfest, also bei weitem nicht so grandios wintertauglich wie das damalige Test-Mobil. Das bedeutet, mein Wohnmobil hat KEINEN Doppelboden, aber die Leitungen und Tanks liegen entweder innen oder können beheizt werden. Doch selbst wenn das bei euch nicht der Fall sein sollte, ist Wintercamping nicht ausgeschlossen. Es kommt nur auf die richtigen Vorbereitungen und das eigene Verhalten an!

Darum hier meine wichtigsten Erfahrungen zum Thema Wintercamping in den Bergen:

Klar sollte sein, das Fahrzeug muss Wintergerecht ausgestattet sein. Winterreifen, Frostschutz, ausreichend Scheiben Wischwasser, ein langer Eiskratzer usw.

Thema Schneeketten. Ich habe zwar mittlerweile Schneeketten im Winter an Bord, habe sie aber noch nie genutzt und kenne auch keinen anderen Camper, der in der D-A-CH Region mit Schneeketten unterwegs sein musste. In Skandinavien ist das sicherlich nochmal etwas ganz anderes.

Extra Ausstattung:

  • Eigener Schneeschieber,
  • Langer Besen (um das Dach ggf. vom Schnee zu befreien)
  • Gut ist eine kleine Leiter, wenn man sich traut diese auch zu nutzen.
  • Türschloss Endeiserspray
  • Tüte mit Sand oder Schotter für den besseren Grip
  • Winterabdeckungen für die Kühlschrankgitter (Absorber) 
  • Ganz wichtig, IMMER ausreichend Gas!
  • Gastank oder Gas-Tank-Flaschen? Dann bitte darauf achten, dass die bevorzugte Tankstelle auch Wintergas ausgibt (anderer Mix aus Butan und Propan). 

Weitere Ausstattung die den Camping Alltag im Winter schöner machen:

  • ein Teppich im Reisemobil/ Caravan (es sei denn, das Fahrzeug hat einen Doppelboden/ Fußbodenheizung)
  • Thermo-Abdeckung für das Fahrerhaus (Kein Muss, aber eine solche Abdeckung hält im Winter doch deutlich mehr Wärme im Fahrzeug)
  • Ein kleiner Heizofen, gibt es auch speziell für den Campingbereich, bitte auf Watt achten.
  • Hochprozentiger Alkohol oder Frostschutzmittel für die Toilettenkassette, sollte das Fach so gar nicht beheizt werden. Kommt auf Fahrzeug Modell/ Caravan an.
  • Schokolade, Tee, Glühwein, Teelichter 🙂

Verhalten & extra Tipps zum Wintercamping bei Eis und Schnee:

  • Ankunft am Campingplatz/ Stellplatz. Wenn damit zu rechnen ist, dass es reichlich schneien könnte, Fahrzeug/ Caravan am besten so parken, dass man möglichst einfach wieder von der Parzelle fahren kann, ohne erst X mal zu wenden.
  • Kein Doppelboden/ keine beheizten Tanks. Wenn dies der Fall ist, ist es am besten einen extra Tank/ Eimer/ Schüssel unter den Grauwasser Ablauf zu stellen und das Abwasser direkt ablaufen zu lassen. So kann es erst gar nicht passieren, dass das Abwasser im Tank einfriert.
  • IMMER HEIZEN! Auch wenn man tagsüber unterwegs ist, sollte die Heizung immer auf kleiner Stufe laufen. So kühlt das Fahrzeug/ der Caravan erst gar nicht komplett aus und vor allem springt der Frostwächter des Boilers nicht ein.
  • Wenn es tagsüber stark schneit, somit die Kleidung/ Schuhe nass sind und eine beheizte Garage vorhanden ist, ist es hilfreich schon vorher ein paar Kleiderbügel/ eine Fussmatte in die Garage zu hängen/legen, so bleibt viel Feuchtigkeit aus dem Reisemobil/ Caravan und die Kleidung trocken dennoch. Ansonsten die Jacken am besten in der Dusche aufhängen.
  • Viel Schnee? Dann bitte unbedingt zwischendurch das Dach vom Schnee befreien. Die Schneemassen können auf Dauer zu schwer für Dach/ Dachfenster werden. Ein großer Besen eignet sich gut, Vorsicht beim Schneeräumen auf den Solarplatten. ACHTUNG, niemals versuchen die großen Dach-Hekis zu öffnen wenn noch viel Schnee auf ihnen liegt, die Rahmen können brechen.
  • Viel Schnee? Dann ist es ebenso sinnvoll frühzeitig mit dem Schneeschaufeln vor den Reifen/ Ausfahrt der Parzelle, zu beginnen.
  • Viel Schnee Tipp 3, regelmäßig das Stromkabel/ Landstrom vom Schnee befreien bzw. Oben auf die Schneedecke legen. Liegt erstmal 1-1,5 Meter Neuschnee auf dem Kabel, viel Spaß beim „tauchen“. 😉
  • Vorsicht Sat-Anlage! Ist die Sat-Anlage bereits ausgefahren und es beginnt heftig zu schneien, liegt so viel Schnee auf dem Dach, dass die Anlage nicht einklappen kann. Ist die Anlage eingeklappt und es beginnt heftig zu schneien, kann der Schnee zu schwer werden, um die Anlage auszufahren. Zudem sollte man immer das Thema Frost im Auge behalten, es entstehen schnell Schäden, wenn die Anlage fest gefroren ist und man sie dennoch nutzen möchte.
  • Bei Eis und Schnee sollte die Markise besser eingefahren bleiben.

Noch zwei, drei ganz persönliche Erfahrungen zum Wintercamping bei Eis und Schnee:

  • Gute Thermowäsche und mindestens zwei Jacken und zwei paar Winterschuhe pro Person sind Pflicht. Es ist alles andere als schön ggf. erneut in nasse Kleidung zu schlüpfen.
  • Gerade als Wintercamping Anfänger ist es sehr, sehr, sehr hilfreich, wenn man einen gut ausgestattet Platz nutzen kann. Landstrom macht das Wintercampen deutlich einfacher (Solar bringt häufig wenig Leitung), viele Plätze bieten im Winter Gasflaschen am Platz an (und eine 11 Kilo Flasche kann im Winter bereits nach 3 Tagen leer sein) und man hat einen Ansprechpartner, wenn man mal Hilfe benötigt, wie ich z.B. damals um von der Parzelle zu kommen.  Im Sommer benötige ich keine rundum Versorgung von z.B. Campingplätzen. Im Winter ist das alles etwas anders, da kann die Ausstattung eines guten Platzes und die Hilfe/ Informationen der Platzbetreiber, enorm von Vorteil sein.
  • Und last but not Least… die Sonnenbrille nicht vergessen! Wenn die Sonne mal scheint, reflektiert der Schnee so stark, dass man dringend eine Sonnenbrille benötigt.

So, ich hoffe ich konnte einige Camper von meiner Leidenschaft zum Wintercamping überzeugen und noch praktische Tipps weitergeben. Mehr über meine Touren und jede Menge (Winter) tipps findet ihr über meinen Blog und Podcast IsasWomo. https://isaswomo.de

Ich kann nur sagen, das Abenteuer Wintercamping ist WIRKLICH toll, mit ein paar Vorbereitungen ein absoluter Genuss und ich kann allen Campern nur empfehlen eine solche Tour einfach mal zu testen.

Ich hoffe wir sehen uns zum Kakao auf irgendeiner gemütlichen Hütte, ich würde mich freuen und bis dahin sage ich wie immer.

Bleibt gesund!
Eure Isa