Text und Bild: Heike Kügler-Anger
Himmel Herrgott, wo war nur die Kiste mit der Weihnachtsdeko fürs Wohnmobil?
Klaus Wegener seufzte laut auf. Er suchte seit zwei Stunden, hatte dabei fast die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt, doch die vermaledeite Kiste war nicht aufzufinden. Wo hatte Marga sie versteckt? Entmutigt raufte er sich das schüttere Haar und ließ sich auf einen der Küchenstühle fallen. Ich schaffe das nicht, dachte er niedergeschlagen. Am liebsten wäre ihm, er könnte Weihnachten in diesem Jahr komplett ausfallen lassen. Als Mitte September die ersten Lebkuchen und Spekulatius in den Regalen der Supermärkte aufgetaucht waren, hatte es noch genügt, einfach den Kopf abzuwenden und den Einkaufswagen in einen anderen Gang zu schieben. So zu tun, als ob ihn das alles nichts anginge, als ob die Vorboten des Festes von allein wieder verschwinden würden. Doch inzwischen half das Wegsehen, das Ignorieren nicht mehr. In vier Tagen war Heiligabend. Ihm graute davor. In der Wohnung war nichts, was auf das nahende Fest hinwies: kein Adventskranz, keine Lichtergirlande, kein Tannengrün, kein Weihnachtsstern auf der Fensterbank, kein Geruch von Zimt- und Schokogebäck. Klaus hatte sich eine weihnachtsfreie Zone erschaffen. Und wünschte sich, dass es so bleiben würde. Wenn, ja wenn er nicht dieses eine Versprechen gegeben hätte. Quasi einen Eid geleistet hätte, den er nicht zu brechen wagte.
Schwerfällig drückte er sich vom Stuhl hoch. Es half nichts, er musste diese vermaledeite Kiste finden. Und zwar möglichst schnell! Wenn er doch nur Marga danach fragen könnte, dachte er bekümmert. Früher hatte sich Marga immer um alles gekümmert. Hatte die Wohnung geschmückt, Adventsgebäck in den Ofen geschoben, mit den Freunden telefoniert und für jeden von ihnen eine To-do-Liste erstellt. Drei Tage vor der Abfahrt hatte sie das ins Wohnmobil getragen, was sie für ihr traditionelles Treffen benötigten. Hatte dafür gesorgt, dass alles perfekt ablief. Doch Marga war nicht mehr hier. An einem strahlend schönen Frühlingstag hatte sie plötzlich über Schwindel geklagt, sich mit der Hand an den Kopf gefasst und war umgefallen, hatte regungslos auf dem Wohnzimmerboden gelegen. All seine verzweifelten Versuche, sie zurück ins Leben zu holen waren fehlgeschlagen. Marga hatte ihn für immer verlassen. Und doch hörte er manchmal ihre Stimme, die zu ihm sprach. Gerade jetzt war sie besonders laut:
»Du weißt, was wir abgemacht haben«, mahnte sie.
»Ja, ja, ist schon klar«, murmelte er genervt.
»Wir haben uns gegenseitig versprochen, dass wir, sollte einem von uns etwas passieren, so wie bisher weitermachen werden. Dass wir das Leben genießen, nicht in ewiger Trauer und Verbitterung versinken werden. Und dass derjenige von uns, der übrig bleibt, auf keinen Fall das Wohnmobil verkauft.«
Klaus zuckte schuldbewusst zusammen. Woher konnte sie nur wissen, dass er tatsächlich vor Kurzem erwogen hatte, den 20 Jahre alten Concorde Liner auf einer der einschlägigen Plattformen zu inserieren? Weil er es nicht ertragen konnte, ohne Marga unterwegs zu sein.
»Du musst am Ball bleiben, darfst auf keinen Fall aufhören zu reisen«, drängte Marga. Ihre Stimme klang streng.
»Eine richtige Reise ist das ja nicht«, wagte er einzuwenden. »Nur ein Treffen unter Freunden zu Heiligabend.«
»Der wichtigste Termin im ganzen Jahr!« empörte sich Marga. Klaus konnte sie zwar nicht sehen, wusste jedoch aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass sie jetzt den Zeigefinger in die Höhe hob. Keine seiner Ausreden gelten ließ. Marga war Grundschullehrerin für Deutsch und Sachkunde gewesen, kannte ihre Pappenheimer und wusste, wie sie sie zu nehmen hatte.
»Okay, okay«, gab er sich geschlagen. »Ich fahre hin. Aber nur wenn du mir sagst, wo du die Kiste mit der Weihnachtsdeko hingestellt hast. Weißt du, Susanne hat mich gestern angerufen, mir durch den Hörer beinahe das Ohr abgekaut. Sie hat sich bitter darüber beklagt, dass eine ihrer Krippenfiguren fehlt. Sie ist sich sicher, dass der Heilige Josef bei uns in der Kiste gelandet ist. Du erinnerst dich bestimmt: Susanne baut auf dem Armaturenbrett ihres auf Hochglanz polierten Vollintegrierten ja immer eine von kleinen LEDs erhellte Weihnachts-landschaft auf: mit einer Krippe, dem Stall, dem Jesuskind und den Heiligen Drei Königen samt einem treudoof dreinschauenden Kamel und dem Kometen, der oben von der Halterung für die Rückfahrkamera baumelt. Nicht mein Geschmack, wie du dich bestimmt erinnerst, aber ihr Herz hängt halt daran. Und jetzt bin ich schuld, weil ihre Weihnachtsdeko in diesem Jahr nicht komplett ist, einer der Hauptakteure fehlt. Also sag mir bitte: Wo hast du die Kiste versteckt?«
Er spitzte erwartungsvoll die Ohren. Aber seltsamerweise war Marga just in dem Moment verstummt, blieb ihm die Antwort schuldig. Klaus widerstand dem Impuls, wie ein trotziges Kind mit dem Fuß aufzustampfen. Stattdessen atmete er ein paarmal tief durch und setzte die Suche fort.
Als er von der Landstraße auf den Schotterweg abbog, konnte er sehen, dass die anderen sich bereits auf dem Stellplatz heimisch eingerichtet hatten. Bei Peter und Ankes Alkoven-wohnmobil war die Markise ausgefahren und mit bunten Lichtlein geschmückt. Unter dem Schutzdach standen zwei Stühle und ein Tisch, die Stuhlkissen und die Tischdecke zierten galoppierende Rentiere und ein randvoll mit Geschenken beladener Schlitten. Auf der Kühlerhaube saß ein aufblasbarer Weihnachtsmann, der vom frischen Wind, der am Morgen aufgezogen war, gegen die Frontscheibe gedrückt wurde, wodurch er ungeduldig mit den Beinen zu strampeln schien. Der will auch weg, dachte Klaus düster. Für einen Moment erwog er, auf dem Platz eine Kehrtwende zu machen, das Gaspedal durchzudrücken und so schnell wie möglich zu verschwinden. Doch das Stück Wiese, das der ansässige Landwirt ihnen alle Jahre wieder gegen einen geringen Obolus zur Verfügung stellte, war zum Teil uneben, kleine tückische Senken verbargen sich unter dem dichten Grasbewuchs. Außerdem hatte es in den letzten Tagen geregnet. Keine guten Bedingungen, um mit seinem tief liegenden Liner einen Blitzabgang hinzulegen. Davon abgesehen hatten ihn die anderen bereits entdeckt. Peter und Anke kamen aus ihrem Wohnmobil gestürmt und wiesen mit Handzeichen auf die Stelle, zu der er fahren sollte. Als ob ich nicht wüsste, wo ich hinmuss, brummte er missmutig. Seit zehn Jahren trafen sie sich kurz vor Heiligabend auf diesem abgelegenen Stück Land und stellten ihre Wohnmobile u-förmig auf, sodass sie eine Art Wagenburg bildeten. Klaus und Marga standen immer auf der linken Seite, im rechten Winkel zum Wohnmobil von Peter und Anke und gegenüber von Susannes und Jens’ Vollintegriertem. Klaus schlug das Lenkrad ein, fuhr auf seinen angestammten Platz, stoppte den Motor und richtete sein Fahrzeug mithilfe der hydraulischen Hubstützen waagerecht aus. Dann erhob er sich mit ein wenig steifen Beinen vom Fahrersitz und schlurfte zur Aufbautür, die Anke schon aufgerissen hatte. Er war kaum ausgestiegen, da stürzte sie sich in seine Arme, hielt ihn fest an sich gepresst.
»Schön, dass du da bist«, murmelte sie in seinen dicken blauen Strickpullover. Dann verstummte sie, ihre Schultern bebten vor Weinen. Anke und Marga waren enge Freundinnen gewesen. Klaus musste selbst schwer schlucken, doch er drückte Anke sanft, aber bestimmt von sich.
»Wenn du weiter so viele Tränen vergießt, müssen wir gleich die Rettungsboote zu Wasser lassen«, versuchte er sich in einem müden Scherz.
Anke fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen. »Tut mir leid. Aber sie fehlt mir so unendlich«, schniefte sie.
»Mir auch.« Klaus’ Stimme war rau.
Peter, Ankes Ehemann, war an seine Seite getreten und klopfte ihm etwas unbeholfen auf den Rücken. »Du weißt ja, dass wir immer für dich da sind.«
»Lieb von euch.« Klaus räusperte sich, um den Kloß im Hals loszuwerden. Und wünschte sich inständig, zu Hause in seinem Wohnzimmer zu sitzen. Wo er die Rollläden hinunterlassen und die Welt um sich herum ausschließen konnte. Aber er hatte keine Chance zu entkommen, denn schon standen auch Susanne und Jens, das dritte Paar ihres traditionellen Weihnachtstrios, vor ihm, forderten seine Aufmerksamkeit.
»Ich hab dein Lieblingsbier mitgebracht«, verkündete Jens. »Am besten, wir genehmigen uns gleich alle ein Schlückchen davon.«
»Nix Bier. Für uns drei Damen«, prustete Susanne heraus, die sich zum Mittagessen anscheinend ein, zwei Gläschen Wein genehmigt hatte, »gibt es echten schwedischen Glögg. Mit Rumrosinen. Den Glögg habe ich …« Die betretenen Gesichter um sie herum ließen sie kurz verstummen. »Den habe ich für Anke und mich schon zu Hause angesetzt«, vervollständigte sie ihren Satz mit leiser werdender Stimme und senkte die Augen.
»Lasst mich erst einmal richtig ankommen«, bat Klaus. »Ich muss noch die Heizung einschalten. Und Margas Weihnachtsdeko im Wohnmobil verteilen. Das erwartet sie von mir, sonst bekomme ich gleich Ärger.«
»Aber Marga ist doch …?« Susanne runzelte die Stirn. »Ich meine …«
»Marga würde sicher wünschen, dass Klaus es sich gemütlich macht«, unterbrach Anke sie resolut und gab Klaus einen kleinen aufmunternden Schubs. Er wandte sich von den Freunden ab und ging zurück zum Wohnmobil. Für einen Moment schweifte sein Blick in den Winterhimmel, wo der Wind dicke, graue Wolken nach Westen schob. Die Sonne hatte sich den ganzen Tag nicht sehen lassen, doch plötzlich brach ein einzelner Lichtstrahl zartsilbern zwischen den Wolken hervor, brachte die regennasse Wiese zum Glitzern.
»Dein Wunsch sei mir ein Befehl«, murmelte Klaus so leise, dass es niemand hören konnte und machte sich an die Arbeit.
»Wer möchte das letzte Nackensteak?« Peter wies mit der Grillzange auf den Gasgrill. Das Trüppchen der Weihnachtsfreunde saß dick eingemummelt rund um einen Tisch, auf dem Salate, Beilagen und Grillsoßen verteilt waren.
»Also ich hätte lieber noch eine Scheibe Grillkäse«, bat Anke ihren Ehemann, der ihr das Gewünschte auf den Teller legte.
Jens drückte sich vom Stuhl hoch, strich sich kurz über das deutlich auszumachende Wohlstandsbäuchlein und schlurfte zum Grill. »Wenn keiner von euch das Steak will – ich opfere mich gern.«
Susanne verdrehte genervt die Augen. »Er kann es einfach nicht lassen«, beschwerte sie sich. »Da rede ich mir täglich den Mund fusselig, warne ihn vor gesättigten Fetten, Cholesterin und verstopften Arterien. Aber er ist ein Nimmersatt! Himmel, das wievielte Stück Fleisch verdrückt er da gerade?«
»Ich habe nicht mitgezählt. Wir haben schließlich Urlaub.« Jens bohrte die Gabel ins Steak.
»Seitdem wir in Rente sind, haben wir immer Urlaub. Aber das muss ja nicht bedeuten, dass wir uns geistig und körperlich gehen lassen«, erwiderte Susanne spitz.
»Sei doch nicht so streng«, schaltete sich Peter ein. »Gib dem armen Mann eine Chance, sein Mittagessen zu genießen.«
»Es ist schließlich Weihnachten«, fügte Anke hinzu.
»Nein.« Susanne ließ sich nicht so leicht besänftigen. »Heiligabend ist erst morgen.«
»Morgen ist ein gutes Stichwort«, meinte Anke. »Wir haben vorab nicht besprochen, wie wir es morgen halten wollen.«
Jens blickte vom Teller auf. »Na so wie immer, oder? Von mir aus müssen wir nichts ändern.«
»Nun ja, ich dachte …« Anke rang sichtbar mit den Worten. »Ich dachte, dass es womöglich besser ist, wenn wir es mal mit was Neuem versuchen. Weil wir das erste Mal ohne Marga feiern. Wir können doch nicht so tun, als ob alles beim Alten wäre.« Sie hielt einen Augenblick inne und wandte sich dann an Klaus. »Hast du vielleicht einen besonderen Wunsch?«
Klaus zuckte mit den Schultern. »Ich weiß nicht, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Früher hat sich, wie ihr wisst, Marga um alles gekümmert. Ich war mit Peter lediglich für die Getränke zuständig. Aber in diesem Jahr konnte ich mich nicht aufraffen, in den Supermarkt zu gehen und für das Treffen einzukaufen.«
»Ist doch verständlich, in deiner Situation.« Peter nickte mitfühlend. »Deshalb habe ich, ohne dich zu fragen, genügend Vorräte für die Feiertage besorgt. Die Getränke stehen in der Heckgarage bereit: der Sekt zum Anstoßen, das Weihnachtsbier.
Den Riesling haben wir von unserer Herbsttour durch die Pfalz mitgebracht. Da haben wir wieder bei unserem Lieblingswinzer einen Stopp eingelegt«, fügte Anke hinzu und berührte kurz Klaus’ Hand. »Aber du hast meine Frage noch nicht beantwortet.«
Klaus sah, dass alle Augen erwartungsvoll auf ihn gerichtet waren. Er rutschte auf seinem Stuhl hin und her, fühlte sich unwohl, so im Fokus der Aufmerksamkeit zu stehen. Er spürte, wie ihm der Hals eng wurde. Was sollte er nur sagen? Ihm war völlig egal, was morgen auf dem Teller landete, sein Appetit ließ in den letzten Monaten eh zu wünschen übrig. Aber wenn er das einräumte, wären alle besorgt, er würde ihnen die Weihnachtsstimmung verderben. Deshalb versuchte er, sich herauszureden: »Ihr wisst ja, dass ich keine großen Ansprüche stelle. Für mich reichen Würstchen mit Kartoffelsalat.«
»Klasse Idee. Wie wäre es mit einem Wurstbuffet?«, schlug Jens kauend vor. »Ich meine so bayerische Weißwürste, Thüringer Rostbratwurst, kleine Nürnberger Bratwürste, italienische Salsiccia, französische Merguez.« Er zog nachdenklich die Stirn in Falten. »Was gibt es sonst noch an Sorten?«
»Vegetarische und vegane Bratwürste«, antwortete Susanne und sah ihren Mann vielsagend an. Der zog eine Grimasse.
»Ich habe schon vegane Würstchen probiert, die waren sehr lecker«, schlug sich Anke auf Susannes Seite.
»Ich bezweifele, dass es so etwas Trendiges hier in dem kleinen Landmarkt gibt«, wandte Peter ein. »Und denkt daran, wir müssen mit den Rädern dahinfahren, können also nicht körbeweise einkaufen.«
»Das müssen wir auch nicht. Ich habe wie immer eine gute Grundausstattung für Weihnachten in den Kühlschrank gepackt. Um auf der sicheren Seite zu sein«, sagte Anke.
»Unser Kühlschrank ist ebenfalls rappelvoll«, pflichtete Susanne ihr bei.
»Also ich habe Klöße und Rotkraut zubereitet, das hat in den Jahren zuvor allen geschmeckt.«
»Ich habe Kürbissuppe gekocht und in Gläser abgefüllt. Damit hätten wir die Vorspeise schon in petto«, verkündete Susanne.
»Der Bauer hat mir, als ich im Herbst die Stellplätze bezahlt habe, gesagt, dass sie auf dem Hof seit Neuestem einen Selbstbedienungsautomaten mit eigenen Produkten haben«, erinnerte sich Peter. »Vielleicht ist dort ja was dabei, das zu Rotkraut und Knödeln passt.«
»Was ist mit dem Dessert?«, wollte Jens wissen.
»Nee, oder? Der Mann ist unmöglich«, murrte Susanne.
»Ein Weihnachtsmenü ohne was Süßes geht überhaupt nicht«, stellte sich Anke auf Jens’ Seite. »Deshalb habe ich Mohnstollen gebacken. Der ist bestimmt nicht so gut wie der von Marga«, sie schenkte Klaus ein trauriges Lächeln, »aber Weihnachten ohne Stollen ist kein richtiges Weihnachten, oder?«
Klaus nickte. Das hatte Marga ebenfalls immer behauptet. Sie hatte den Mohnstollen nach einem alten schlesischen Familienrezept zubereitet, er zerging auf der Zunge. Aber auch diese Tradition hatte mit ihrem Tod ein Ende gefunden. Oder etwa nicht? »Wenn du möchtest, suche ich dir für nächstes Jahr Margas Rezept heraus. Ich glaube, sie hat es auf ihrem Laptop gespeichert«, hörte er sich sagen.
»Danke, das würde mir viel bedeuten.« Anke war sichtlich gerührt.
»Geht in Ordnung«, versprach Klaus und blickte kurz in den Himmel. Er war sich sicher, dass Marga ihm auf ihrer Wolke mit dem Daumen-hoch-Zeichen signalisierte, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Bislang hatte er es tunlichst vermieden, sich um Margas digitale und analoge Hinterlassenschaften zu kümmern, die Schränke waren noch voll mit ihren Sachen. Er wusste nur zu gut, dass er sich der schmerzhaften Aufgabe des Aussortierens und Fortwerfens eher früher als später widmen müsste. Die Rezeptdatei in einem von Margas Computerverzeichnissen aufzuspüren und zu kopieren, würde ihn emotional nicht überfordern, damit wäre ein guter Anfang gemacht.
»Prima.« Anke drückte sich vom Stuhl hoch. »Wenn für morgen alles geklärt ist, sollten wir uns an den Abwasch machen.«
»Ich hole die Spülschüssel mit heißem Wasser«, bot Jens an.
»Ich trockne ab.« Klaus spürte, wie ein wenig von seinem früheren Tatendrang zurückkehrte. Und obwohl er eben noch ganz anders gedacht hatte, war er froh, hier unter Freunden zu sein, das Weihnachtsfest nicht alleine verbringen zu müssen.
»Los gehts.« Peter klatschte aufmunternd in die Hände und stellte die Teller zusammen. Susanne beförderte die Servietten und Essensreste in den großen Mülleimer, den sie neben dem Wohnmobil aufgestellt hatten. Dann hielt sie inne und blickte in Richtung der Schotterstraße.
»Was ist das für ein Geräusch?«
»Motorenlärm«, antwortete Anke perplex.
»Vielleicht der Bauer, der auf eins seiner Felder fährt«, meinte Klaus.
»Das hört sich nicht nach einem Traktor an. Das ist ein Auto … nein, das müssen mehrere Autos sein«, widersprach Jens.
In dem Moment rutschte Susanne die Kinnlade nach unten. »Seht doch, da kommen Wohnmobile angefahren!«
»Eins, zwei, drei Stück«, zählte Anke fassungslos.
»Aber das ist unser Platz«, empörte sich Peter. »Das hat mir der Bauer extra am Telefon bestätigt. Schließlich kommen wir schon seit Jahren hierher. Was wollen die auf unserem Weihnachtsplatz?«
»Womöglich haben sie sich verfahren?« Anke klang nicht überzeugt.
Die drei Wohnmobile – zwei bunt bemalte Vans und ein altes Hymermobil – erreichten die Wiese, drehten rumpelnd eine kurze Runde und kamen nebeneinander zum Stehen. Die Türen öffneten sich und die Insassen sprangen heraus.
»Frohe Weihnachten«, rief eine Frau mit langen braunen Dreadlocks ihnen fröhlich entgegen. »Ihr habt doch nichts dagegen, wenn wir über die Feiertage hier stehenbleiben, nicht wahr?«
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