Klosterbrauereien in Bayern
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Bayern ist reich gesegnet mit Klöstern. Ihre oft spektakuläre Lage, beeindruckende Kunstschätze und traditionsreichen Wallfahrten ziehen seit jeher Besucher an. Und nicht zuletzt die selbst gebrauten Biere: Ihre Bandbreite reicht von urig-traditionellen Sorten bis hin zu überraschend innovativen Kreationen.
Text: Markus Stein / Quelle: erlebe.bayern
Heiliger Berg Oberbayerns: Klosterbrauerei Andechs
Schon von Weitem prägt der Zwiebelturm der Andechser Wallfahrtskirche das Bild über dem Ammersee. Seit 1130 pilgern Gläubige zu dem Berg, zunächst zu einer kleinen Kapelle mit einer Nikolaus-Reliquie. Später entwickelte sich Andechs zum bedeutenden Marien-wallfahrtsort. Seit 1455 betreuen Benediktiner die Wallfahrten – und prägen vermutlich auch die Andechser Brautradition. Bis heute wird die Klosterbrauerei unabhängig geführt und braut im traditionellen Mehrfach-Maischverfahren Helles, Dunkles, Weißbier sowie die jeweiligen Bockbiere. Die beliebten Biere, außerdem alkoholfreies Weißbier und Radler, schmecken im berühmten Bräustüberl, in dem man seine mitgebrachte Brotzeit verzehren darf, im Biergarten und im Klostergasthof.
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Herrlicher Biergarten: Kloster Reutberg
Ein beliebtes Ausflugsziel im Tölzer Land ist das Kloster Reutberg. Es liegt weithin sichtbar nördlich der Ortschaft Sachsenkam. Reutberg wurde 1618 gegründet als Kloster für Kapuzinerinnen, sie wechselten später zu den Franziskanerinnen. Die Brauerei gibt es seit 1677, ursprünglich brauten die Franziskanerinnen selbst. Die Brauereigenossenschaft Reutberg führt seit 1924 ihre Tradition fort. Die Palette an Bieren, die das Klosterbräustüberl ausschenkt, reicht vom Hellen (leichte Hopfenblume) und Dunklen (vollmundig-malzaromatisch) über Weißbier (hell und dunkel) bis zum Pils (mit aromatischer Hopfenbittere). Der Biergarten erfreut mit phänomenaler Aussicht auf die Berge von Isarwinkel und Karwendelgebirge. Empfehlenswert sind Wanderungen oder Radtouren zum Reutberg. Auch der Südostbayerische Jakobsweg passiert den Reutberg.
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Meisterlich: Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan
Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan in Freising rühmt sich, die älteste noch bestehende Braustätte der Welt zu sein. Sie existiert seit fast tausend Jahren! Das 725 vom heiligen Korbinian initiierte Benediktinerkloster hatte 1040 das Brau- und Schankrecht erworben und übte dies bis zu seiner Auflösung 1803 aus. Dann übernahm der Bayerische Staat das Kommando und das Königliche Staatsgut Schleißheim leitete die Brauerei.
1909 wurde in Weihenstephan die Hochschule für Landwirtschaft und Brauerei eingerichtet. Sie bildet heute Studenten aus aller Welt zu Braumeistern aus. Die Produktpalette der Brauerei umfasst sechzehn verschiedene Biere, viele davon prämiert. Neben den gängigen Sorten Hell, Pils, Dunkel, Weißbier verdienen eine Kostprobe beispielsweise der helle Weizenbock Vitus, der dunkle Doppelbock Korbinian oder das Kellerbier 1516, zu genießen am besten im Bräustüberl Weihenstephan mit Biergarten und Blick über Freising. Angeboten werden auch Brauereiführungen mit Besuch des Brauereimuseums.
© Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan
Klosterbrauerei Scheyern
Seit 1119 wird in Scheyern Bier gebraut. Die Benediktiner stellen ihre Traditionsbiere ausschließlich mit Holledauer Aromahopfen und Wasser aus dem hauseigenen Klosterbrunnen her. Die Biere werden weder sterilisiert noch ultrahoch erhitzt. Die Auswahl ist groß: Es gibt traditionelle Sorten wie Helles (süffig, mild gehopft), Dunkel (leicht herb), Weißbier (naturtrüb, unfiltriert) und Schyrengold. Dazu überregional angebotene Klosterbiere, die von der Tucher Privatbrauerei produziert werden, und die Linie „Junge Frische“ mit Benedictus (spritzig, feinherbe Hopfenblume) sowie Dreiundreißig Kloster Pils (herb, 33 Bittereinheiten). Und schließlich vier verschiedene Craft-Biere mit neuen Hopfensorten und exotischen Geschmacks-noten. Ferner gehören zum Kloster unter anderem eine Schenke mit Biergarten, Metzgerei, Brennerei, Käserei und eine Alm bei Bayerischzell.
© erlebe.bayern – Oliver Raatz
Medaillen-Gewinner: Klosterbrauerei Weltenburg
Spektakulär am Donaudurchbruch mit seinen steilen Felswänden liegt das Kloster Weltenburg etwa 25 Kilometer südwestlich von Regensburg. Das Kloster wurde angeblich um 600 von den iro-schottischen Wandermönchen Eustasius und Agilus von Luxeuil ins Leben gerufen. Es gilt als die älteste klösterliche Niederlassung Bayerns. Heute leben Benediktinermönche in der barocken Anlage. Besonders sehenswert ist die von den Gebrüdern Asam gestaltete Klosterkirche St. Georg. Man braut Bier im Kloster nachweislich seit 1050. Star der Gerstensäfte ist das Weltenburger Kloster Barock Dunkel. Das feincremige, untergärige Spezialbier, kräftig im Geschmack, gewann bereits dreimal Gold beim World Beer Cup in den USA. Der Weltenburger Kloster Asam Bock, ein malzig-aromatischer, süßer, dunkler Doppelbock, wiederum holte dreimal Gold beim European Beer Star. Das Sortiment umfasst auch Helles, Pils, Kellerbier, Märzen und mehr. Eine Klosterschänke mit direkter Bierleitung in den Lagerkeller und ein Biergarten mit Kastanienbäumen laden zum Genießen ein.
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Aus dem Steinkrug: Aldersbacher
Auf eine lange klösterliche Geschichte blickt auch die Brauerei Aldersbach, südwestlich von Vilshofen an der Donau, zurück. Sie wurde erstmals 1268 erwähnt, die Mönche des gleichnamigen Zisterzienserklosters brauten hauptsächlich für den eigenen Durst. Die Brüder erweiterten im 16. Jahrhundert die Braustätte und legten Hopfengärten an. Gebraut wird eine große Palette an traditionellen Bieren, vom Aldersbacher Urhell (fein und leicht gehopft) über das Kloster Dunkel (malzig-aromatisch) bis zum Freiherrn Pils (schlank, fein-hopfig) und weitere Sorten. Das vollmundige Zwicklbier wurde mit der Silbermedaille beim European Beer Star 2017 prämiert, die mild-hopfige Kloster Weisse Hell sechzehn Mal mit Gold von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Die gläserne Schaubrauerei kreiert wechselnde Sorten an Craft-Bieren (India Pale Ale, Stout, Weizenbock, Barley Wine oder Porter). Unbedingt einen Blick werfen sollte man in die ehemalige Klosterkirche Maria Himmelfahrt, sie wurde von den Gebrüdern Asam gestaltet. Es werden Brauerei-, Kirchen- und Klosterführungen angeboten. Gäste genießen niederbayerische Gemütlichkeit im Bräustüberl. Man kann sich dort sein Bier im Steinkrug selbst an der Schenke holen. Bei schönem Wetter sitzt man schön in zwei großen Biergärten.
© erlebe.bayern – Oliver Raatz
Bockbier und Likör: Klosterbrauerei Ettal
Seit mehr als 400 Jahren, seit 1609, werden in Ettal Klosterbiere gebraut. Die Benediktinerabtei am Rand des Ammergebirges bei Oberammergau wurde 1330 von Kaiser Ludwig dem Bayern gestiftet. Sie erlebte ihre Hochzeit im 17. und 18. Jahrhundert, als Pilger zur Ettaler Madonna, einer aus Pisa importierten Marienstatue, wallfahrteten. Ein neues Sudhaus wurde 2016 fertiggestellt. In Ettal werden vor allem das Ettaler Kloster-Hell (dezent malzig mit würzigem Charakter), das Ettaler Dunkel (fein-süßes Malzaroma) und Bockbiere (hell und dunkel) gebraut. Ein Weißbier wird in Kooperation mit einer Großbrauerei hergestellt. Man kann im Rahmen einer Brauereiführung ein Brauereimuseum besuchen. Eine „Liqueurmanufaktur“ kreiert etwa seit 1900 in Ettal auch Hochprozentiges, darunter nach altem Rezept den „Abteilikör“. In den Sommermonaten lädt der Biergarten des Klosterhotels Ettal zum Verweilen unter alten Kastanien ein. Bei bayerischen Schmankerln und frisch gezapftem Klosterbier.
© erlebe.bayern – Bernhard Huber