Legal und sicher auf Tour
© Maut1
Passend zum Start der Reisesaison zeigt RMI, was es mit Umweltzonen auf sich hat, welche Mautzonen und Bußgeldfallen nicht direkt ersichtlich sind und wo Camper vor kriminellen Machenschaften auf der Hut sein sollten. Gute Vorbereitung hilft, sicherer und entspannter unterwegs zu sein.
Quelle: Reisemobil International / Philipp Pilson
Umweltzonen in Europa
„Unsere Wohnmobilreise im letzten Jahr führte uns über Luxemburg, Belgien, Calais-Dover nach Schottland und Wales. Die Umweltzonen dieser Länder haben uns ziemlich beschäftigt. Da wir in Belgien in Brüssel und Gent Halt machen wollten, haben wir vorsorglich schon mal für diese Städte die Durchfahrt für die Umweltzonen beantragt. Für Frankreich haben wir die Gelbe Plakette schon seit längerer Zeit, da wir grenznah zu Frankreich wohnen“, heißt es in einem Leserbrief an die Redaktion, der hier beispielhaft aufzeigen soll, wie anspruchsvoll eine gewöhnliche Urlaubsreise sein kann. Weiter heißt es: „Nachdem wir Dover erreicht hatten, wollten wir über die M25 London umfahren um Richtung Schottland zu fahren. Durch eine Vollsperrung hat uns das Navigationssystem aber dann durch London (A20 –> M11) geführt, wo wir durch Hinweisschilder auf die Umweltzonen ULEZ aufmerksam wurden. Interessant wurde es dann aber, als wir eine Mail bekamen, dass wir evtl. auch die LEZ bezahlen müssen und dass Edinburgh auch seit Juni 2024 eine Umweltzone hat.“
Dieser Auszug schildert eindrucksvoll die Problematik, mit der sich nicht nur, aber vor allem Camper im Ausland auseinandersetzen müssen – wenn man legal und mit ruhigem Gewissen unterwegs sein will. Hinzu kommt: Gängige Navigationssysteme bieten zwar die Option „Mautstraßen meiden“ an, Umweltzonen lassen sich aber nicht aussparen.
Der Feinstaub- und Stickoxid-Thematik begegnen die Europäischen Länder mit zunehmenden Verkehrseinschränkungen durch die Einrichtung von (temporären) Umweltzonen/LEZ. Die französische Crit’Air-Vignette, das Österreichische Umwelt-Pickerl, die spanische Distintivo Ambiental, das Green-Zones REG-Certificate für Belgien (als Nachweis einer erfolgten Registrierung), die europäische E-Plakette und der dänische EcoSticker sind ein wichtiges Werkzeug der Städte, die Luftqualität zu verbessern und Emissionen zu reduzieren. Das Problem ist die europaweit variierenden Regelungen und die Tatsache, dass es keine zentrale Registrierungsstelle gibt. So bleibt nur, sich im Vorfeld gezielt zu informieren, wer wann wo reinfahren darf und ob neben Bezahlung oder Plakette auch eine Registrierung notwendig ist.
Die Karte zeigt die regulären und temporären Umweltzonen in Frankreich, für die eine Crit’Air-Plakette benötigt wird. © Franz. Umweltministerium
Erst Ende Januar 2026 hat eine Kommission in Frankreich sich für die Abschaffung des ZFE-Systems ausgesprochen. Das würde das Aus der Crit’Air-Plakette und eine Erleichterung für Camper bedeuten. Eine Schlussabstimmung in der Nationalversammlung steht allerdings noch aus. Bis dahin ist die Plakette weiterhin Pflicht.
Die wichtigsten Punkte:
☛ Plakettenpflicht: Vielerorts ist eine Umweltplakette Pflicht, um in Umweltzonen fahren zu dürfen – meistens gebunden an die Euroklasse des Wohnmobils.
☛ Online-Registrierung: In Ländern wie Belgien ist für ausgewählte Städte eine Vorab-Registrierung für deutsche Fahrzeuge erforderlich.
☛ City-Maut: London, Mailand, Bologna und viele skandinavische Städte wie Oslo verlangen eine Gebühr für die Einfahrt.
☛ Fahrverbote: Für ältere Reisemobile kann es Fahrverbote in Innenstädten geben. So gilt zum Beispiel in Mailand werktags ein Fahrverbot für Diesel bis Euro 5.
☛ ZTLs: In Amsterdam, Utrecht, Den Haag und Arnheim in den Niederlanden gibt es Umweltzonen.
Bußgeldfallen
Plaketten hier, City-Maut dort, temporäre Fahrverbote je nach Luftqualität – und es gibt weitere Bußgeldfallen, die ein schmerzhaftes Loch in den Geldbeutel reißen können. Wie so oft gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Dass in Frankreich und Italien auf den Autobahnen Maut anfällt, ist kein Geheimnis. Weniger bekannt dagegen ist, dass es hier und da Abweichungen vom bekannten System gibt.
Free-Flow-Systeme sind da so ein Beispiel. Kameras und Sensoren erkennen automatisch die Kennzeichen der Fahrzeuge. Die Bezahlung der Gebühr muss (in Italien) aber innerhalb von 15 Tagen nach der Fahrt manuell erfolgen – entweder an Tankstellen oder online per Eingabe des Nummernschilds. Wer das vergisst oder erst gar nicht weiß, dass noch eine Gebühr bezahlt werden muss – die Kontrollstellen werden faktisch unbemerkt und meistens ohne die Geschwindigkeit zu reduzieren passiert –, dem flattert früher oder später eine saftige Rechnung ins Haus.
Beispielsweise gibt es Free Flow in Italien auf der A36 Pedemontana Lombarda, der A33 und A59 und der A60 bei Como. Aber auch im Baskenland (A636), Portugal und Frankreich (A79 bei Allier, A13/14 Paris-Normandie und A4 Saarbrücken – Metz) kommt dieses System strecken-weise zum Einsatz. Kroatien stellt ab Herbst 2026 sein bisheriges Mautsystem vollständig auf das Free-Flow-System um, spontane Bar- oder Kreditkartenzahlung ist dann nicht mehr möglich. Wer ohne gültige Registrierung oder Mautbox unterwegs ist, riskiert Bußgelder – Vorbereitung ist daher Pflicht.
Tipp: Wer Mautboxen nutzt, braucht sich keine Sorgen darum machen. Denn hier werden anfallende Mautgebühren in verschiedenen Ländern über die Box digital abgerechnet und die offene Rechnung pünktlich beglichen. Ansonsten lohnt es sich, in regelmäßigen Abständen an Tankstellen oder online mögliche Mautgebühren zu checken, ob ein Betrag offen ist.
Um den Verkehr ohne das zeit- und nervenraubende Stop & Go zu beschleunigen und das Bezahlen der Maut zu vereinfachen, treiben mehrere EU-Staaten die Digitalisierung ihrer Mautsysteme voran und setzen verstärkt auf digitale Systeme statt Schranken und Klebevignette. So wird 2026 in Österreich das letzte Jahr der Klebevignette sein. Mit der Umstellung folgt Österreich dem Trend: In Ungarn, Rumänien, Slowenien, Slowakei, Tschechien, Bulgarien und Moldau gibt es bereits ausschließlich digitale Mautsysteme, die es Campern einfacher machen.
Wer nach Schweden oder Norwegen reist, sollte sich im Vorfeld bei Epass24 und EasyPark registrieren und das Fahrzeug mit Nummernschild in der App hinterlegen. Denn: In Norwegen zum Beispiel wird der Camper bei mautpflichtigen Tunneln, Autobahnabschnitten oder Stadtfahrten automatisch erfasst und die Rechnung mit der in der App hinterlegten Kreditkarte automatisch beglichen. Auch bei den Inlandsfähren in den Fjorden muss sich der Camper um nichts weiter kümmern. Ohne Registrierung erhält der Fahrzeughalter die Rechnung per Post.
Tipp: Die App EasyPark ist in Skandinavien bei einem Großteil der Parkplätze inzwischen Standard. Die Parkzeit wird über die App abgerechnet, zum Teil sogar die Stellplatzgebühren, bar ist nicht möglich. Vorteil: Man kann die Parkzeit auf die Minute genau abrechnen und sogar von unterwegs verlängern, wenn die Wanderung doch etwas länger dauert.
© Karsten Kaufmann
Neue Blitzerfalle am Brenner
Maut1.de hat anhand von 1,6 Millionen einzelnen Mauttransaktionen die beliebtesten Reiserouten bei deutschen Urlaubern analysiert. Die meist frequentierte Mautstation im europäischen Ausland ist der Brenner, aber auch andere italienische Stationen wie Como-Grandate, Affi oder Milano Sud liegen vorn mit dabei, während die französische Mautstation Vienne auf der Autoroute du Soleil (A7) südlich von Lyon auf Platz drei landet.
Wir bleiben auf dem Weg nach Italien. Seit einiger Zeit wird die Luegbrücke an der Brenner-autobahn saniert. Um die Bestandsbrücke statisch zu entlasten, ist seit 2025 eine einspurige Verkehrsführung in beide Fahrtrichtungen notwendig. An Tagen mit erhöhtem Verkehrsaufkommen wird eine temporäre Zweispurigkeit mit besonderer Verkehrsführung eingerichtet. Die Besonderheit: Wohnmobile über 3,5 Tonnen müssen auf die ungewohnte linke, innere Fahrspur wechseln, damit sich die größte Last auf die Brückenmitte konzentriert. Wohnwagen-Gespanne können dagegen beide Fahrspuren nutzen. Eine in der Fahrbahn integrierte Waage erkennt während der Fahrt, wie viel das Wohnmobil wiegt und ob es auf der richtigen Spur unterwegs ist. Nach Rückfrage handelt es sich um Wägezellen, die in die Fahrbahn eingebaut sind. Die Konturen erkennt man durch rechteckige Fugen im Asphalt. Dann werden die Achsen gezählt und die Achslast. Ist der Camper falsch unterwegs, wird er noch vor der Brücke auf einen Parkplatz abgeleitet, erneut gecheckt und im Anschluss auf die korrekte Fahrspur gelotst. Die Waage erkennt dadurch natürlich auch überladene 3,5-Tonner.
Weiter zu beachten gilt: Der österreichische Autobahnbetreiber Asfinag hat eine sogenannte „Section Control“ auf der Luegbrücke eingeführt – quasi einen vollautomatischen Blitzer, dem man nicht so leicht entkommen kann. Beim Ein- und Ausfahren des kontrollierten Abschnitts erfasst das System das Kennzeichen und versieht es mit einem Zeitstempel. Stellt nun die Matrix fest, dass der Fahrer den Abschnitt schneller als in der vorgegebenen Mindestfahrzeit bewältigt hat, werden automatisch Bußgeldbescheide wegen Missachtung des Tempolimits von 60 km/h verschickt.
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