Norwegen – Roadtrip durch den Südwesten

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Für viele ist Norwegen das Traumziel Nordeuropas – man denkt an majestätische Fjorde, die wilden Lofoten oder das Nordkap, den Sehnsuchtsort vieler Camper. Doch auch der Südwesten des Königreichs hat viel zu bieten und verdient Zeit für eine ausgedehnte Entdeckungstour.

Text & Fotos: Jörn Backhaus

Meer, Moderne und nordische Lebensart

Wie für die meisten Norwegen-Urlauber beginnt auch unsere Tour im südnorwegischen Kristiansand, wo wir mit der Fähre ankommen. Da wir die Stadt und Umgebung die nächsten ein bis zwei Tage erkunden wollen, haben wir uns für einen Stellplatz am nur ca. 13 Kilometer vom Fähranleger entfernt liegenden Kristiansand Feriesenter entschieden. Kristiansand gibt sich nordisch entspannt: Man kann die Stadt auch im Sommer bequem zu Fuß erkunden. Viele Sehenswürdigkeiten liegen fußläufig beieinander – so die Fußgängerzone, die Altstadt Posebyen, die Fiskebrygga und die beiden architektonischen Highlights „Kilden“ und „Kunstsilo“. Das am Wasser liegende Kilden Theater- und Konzerthaus ist eine der aufregendsten Umgebungen für professionelle darstellende Künste und Musik in der nordischen Region, das 2024 eröffnete Kunstsilo ist ein spannendes Kunst- und Kulturzentrum in einem ehemaligen Getreidesilo. Wer die Stadt und ihre Schären hingegen vom Meer aus erleben möchte, dem sei eine Speedboot-Tour mit Adventure Norway empfohlen. Ein typisch norwegisches Abendessen mundet im Restaurant Setesdølen.

  Die architektonischen Highlights „Kilden“ und „Kunstsilo“

 Blick von der Fähre nach Kristiansand

Über den Nordsjøvegen ins Abenteuer

Bevor es am nächsten Tag entlang der Küste weiter Richtung Westen gehen soll, machen wir einen Abstecher zum Elchpark Viltgården, circa 50 Kilometer nördlich von Kristiansand. Dieser Umweg lohnt sich, denn näher kann man dem „König des Waldes“ kaum kommen – Wissens-
wertes über Fauna und Flora inklusive. Inhaber Kristoffer Kallhovd bietet zudem einige Wohnmobil-Stellplätze an, von denen wir aber keinen Gebrauch machen. Uns zieht es zurück ans Meer. Wir möchten zumindest streckenweise dem Nordsjøvegen (Nordseeweg) von Kristiansand über Flekkefjord nach Stavanger folgen. Der Nordsjøvegen ist eine der ältesten Touristenstraßen Norwegens und verläuft größtenteils über küstennahe Abschnitte schmalerer Landstraßen parallel zur Europastraße 39.

In Vigeland folgen wir der Straße 460 Richtung Kap Lindesnes, Norwegens südlichster Spitze. Dort wartet ein schöner Leuchtturm mit spektakulärer Aussicht auf die Nordsee. Zurück in Vigeland zieht es uns weiter Richtung Westen bis zum kleinen, malerischen Städtchen Flekkefjord, wo aus unserer Sicht der schönste Abschnitt des Nordsjøvegen beginnt: die Straße 44. Diese schlängelt sich zwischen Flekkefjord und Egersund durch den Magma-Geopark mit stellenweise einzigartigen Gesteinsformationen. Ein Highlight sind die beiden unter dem Felsen stehenden alten Holzhäuser (Helleren) am Jøssingfjord sowie das neue Jøssingfjord Vitenmuseum. Tipp: Wenn man der 44 weiter Richtung Egersund folgt, lohnt sich in Hauge i Dalane ein Abstecher Richtung Rekefjord. Der Umweg wird mit malerischen Orten an der Küste sowie kurvenreichen, engen Straßen belohnt.

 Elchpark Viltgården

 Helleren am Jøssingfjord

Küstenkilometer mit Charakter

In Egersund sollte man unbedingt bei Berentsens Brygghus & Distillery stoppen. Während oben an der Straße ein eher unscheinbares Gebäude mit „Ølsalg“ (Bierverkauf) lockt, wartet unten im Keller eine der schicksten Bars Norwegens, die auch für Whisky- und Biertastings genutzt wird. An der Theke werden mehrere lokale Biere der Brauerei Berentsens frisch gezapft. Trotz der hohen Preise (noch) ein Geheimtipp für Bierliebhaber.

Tipp: Nicht weit entfernt von der Brauerei gibt es mehrere offizielle Wohnmobilstellplätze und Campingplätze, z. B. NAF Steinsnes Camping. Dann hat auch der Fahrer etwas von der Bierverkostung. Weiter geht es entlang der Küste Richtung Stavanger, während sich die Landschaft stark verändert. Es wird flach, und der Blick kann weit schweifen. Die Region Jæren ist bekannt für die schönsten Sandstrände Norwegens, z. B. den Borestrand, und gleichzeitig auch Norwegens Kornkammer. In Stavanger angekommen, checken wir auf dem Campingplatz Mosvangen ein.

 Berentsens Brygghus & Distillery

 Borestrand

Stavanger: Tor zum Lysefjord

Als drittgrößte Stadt Norwegens lädt Stavanger mit einem kompakten Zentrum rund um den Vågen (Hafen) förmlich dazu ein, zu Fuß erkundet zu werden. Neben bekannten Highlights wie der Domkirche und dem Norwegischen Erdölmuseum (Norsk Oljemuseum) begeistern auch kleinere Sehenswürdigkeiten: die Øvre Holmegate mit ihren bunten Holzhäusern, Cafés und Restaurants, das Norwegische Konservenmuseum und die hölzerne Altstadt Gamle Stavanger.

Wer den sommerlichen Trubel entspannt genießen möchte, sucht sich einen Platz im Café Hansen Hjørnet direkt am Vågen – etwas Glück vorausgesetzt, denn das Café ist auch bei den Einheimischen sehr beliebt. Wer mehr Zeit mitbringt, sollte einen Ausflug zur weltbekannten Felskanzel Preikestolen machen. Dieser kann dank des neuen, unterseeischen Ryfylketunnels zwischen Stavanger und Tau nun noch schneller und bequemer erreicht werden. Wem der Preikestolen als sportliche Herausforderung nicht reichen sollte, dem seien das Hochplateau Kjerag inklusive eingeklemmter Felskugel oder die 4.444 Treppen von Flørli (nur mit der Fähre erreichbar) empfohlen. Alle drei Attraktionen liegen am Lysefjord. Etwas ruhiger hingegen verläuft eine Bootstour zum Lysefjord direkt vom Vågen im Stadtzentrum.

 

  Die Øvre Holmegate mit ihren bunten Holzhäusern

 Lysefjord

Straße 13: Norwegens große Bühne

Unser Roadtrip führt uns über die Straße 13 (Teil der Norwegischen Landschaftsroute Ryfylke) vorbei an Fjell, Fjord und Wasserfällen bis nach Odda. Das kleine Städtchen dient als Eingangstor zum Hardangerfjord, wenn man von Süden kommt, und ist Ausgangspunkt für eine Wanderung zur Trolltunga, der weltberühmten Felszunge.

Kulinarik-Tipp: Der Hardangerfjord ist Heimat des weltberühmten Apfelciders, der als einziges höherprozentiges alkoholisches Getränk nicht nur im Vinmonopolet gekauft werden kann, sondern auch direkt beim Erzeuger. Hinweis: Ähnlich wie in Schweden können in Norwegen Getränke mit einem höheren Alkoholgehalt (über 4,5 %) nur im staatlichen Vinmonopolet gekauft werden. Der regional produzierte Apfelcider vom Hardangerfjord ist die einzige Ausnahme.

  Norwegische Landschaftsroute Ryfylke

  Der Hardangerfjord ist Heimat des weltberühmten Apfelciders

Vom Fjord ins Hochgebirge

Vom Hardangerfjord geht es weiter Richtung Sognefjord, dem größten und tiefsten der norwegischen Fjorde. Zu empfehlen ist ein Besuch des Gletschermuseums am Jostedalsbreen. Hier stehen in unmittelbarer Nähe zwei tolle Campingplätze zur Verfügung: Nigardsbreen direkt am Gletscherzentrum und Jostedal Camping circa 1 Kilometer entfernt. Letzterer hat den Vorteil, dass es in der Nähe einen Supermarkt und ein kleines Hotel mit Restaurant gibt (Jostedal Hotell).

Vom Sognefjord nehmen wir dann über Gaupne die spektakuläre Straße 55, die sich vom Fjord bis ins Hochgebirge windet und daher auch nur von Anfang Mai bis Ende September geöffnet ist. Einen letzten Zwischenstopp inklusive Übernachtung auf dem Weg Richtung Oslo legen wir bei Randsverk Camping ein. Dieser idyllisch gelegene Campingplatz eignet sich hervorragend als Basis, um die Region und die Berggipfel von Jotunheimen zu erkunden.

 Fähre über den Sognefjord

 Nigardsbreen

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