Zwischen Himmel und Watt: Zu Fuß nach Föhr
Borgsumer Mühle © Föhr Tourismus GmbH / Moritz Kertzscher
Zu Fuß durchs Wattenmeer, hinaus ins scheinbare Nichts – und immer auf ein Ziel zu: die Insel Föhr. Zwischen Himmel und Horizont wird jeder Schritt zum Erlebnis in einer Landschaft, die sich ständig verändert und genau darin ihren Zauber entfaltet.
Quelle: Nordsee-Tourismus-Service GmbH
Ein Abenteuer mit Ziel
Eine Wattwanderung gehört während eines Urlaubes an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins unbedingt dazu, schließlich ist das Wattenmeer weltweit einmalig. Die Tour vom Festland bei Südwesthörn zur Insel Föhr ist ein ganz besonderes Wattwandererlebnis: ein echtes Abenteuer, weit weg vom Rest der Welt – mit einem klaren Ziel vor Augen. Machbar für Leute mit normaler Kondition und auch für Kinder ab 9 Jahren, Dauer insgesamt ca. 3 bis 3,5 Stunden. Sie führt über festes Sandwatt sowie durch Marsch, Salzwiesen und Lahnungsfelder und bietet vielfältige Beobachtungsmöglichkeiten.
Das Wattenmeer bei Ebbe © Foehr Tourismus GmbH / Oliver Franke
Aufbruch ins Ungewisse
Die Gruppe steht auf dem Deich bei Südwesthörn. In der Ferne zeichnet sich die Insel Föhr ab – hinter uns die Marsch, vor uns die Unendlichkeit. So weit draußen, kaum mehr als ein Strich unter dem Horizont – und dorthin sollen wir zu Fuß? „Zuerst gehen wir über die Salzwiesen, dann queren wir das Lahnungsfeld“, erklärt Wattführerin Regina Matthiesen. „Die reine Wattstrecke beträgt ungefähr zehn Kilometer – das Meer wartet nicht!“ Je tiefer wir den Deich hinabsteigen, desto weiter scheint das Ziel zu rücken.
Luftbildaufnahme der Insel Föhr © Föhr Tourismus GmbH / Martin Elsen
Zwischen Salzwiesen und Lahnungen
„Die Salzwiesen werden regelmäßig bei Sturmfluten überschwemmt“, erklärt Regina Matthiesen, „deshalb gibt es hier eine ganz spezielle Pflanzenwelt.“ Sie pflückt einen fleischigen Stängel. „Das ist Queller, man kann ihn essen. Als Salat oder gebraten mit Nudeln.“ Die Welt wird mit jedem Schritt wundersamer. Und der Boden wird zunehmend schmieriger, statt Grün bestimmt nun Grau in allen Nuancen das Bild. Die Landschaft wird amphibisch: nicht mehr Land, noch nicht Meer. Wir erreichen das Lahnungsfeld, knöcheltief sinken die Schritte in den Matsch. Wir klettern über die letzte Lahnung – und stehen vor dem Watt.
© Föhr Tourismus GmbH / Harald Bickel
Im Herzen des Watts
Nach dem ersten Priel wird das Watt fest. „Wir sind jetzt auf dem Sandwatt“, erklärt sie. Nun sind wir endgültig vom Festland losgelöst. Das Watt ist durchzogen von Prielen, deshalb laufen wir in einem Bogen. Regina hebt ein dunkles Stück hoch: „Das ist Torf – und das hier war mal Schilf. Vor den beiden großen mörderischen Sturmfluten im Mittelalter war dies festes Land.“ Sie zeigt die Zeugen des Untergangs herum und wir staunen still und voller Respekt vor dieser Umgebung, wo der Mensch nur Gast für kurze Zeit ist. Das Land ist im Werden, das Land ist im Vergehen. Immer wieder marschieren wir durch knöcheltiefes Wasser, lernen Wattwurm, Muscheln und Krebse kennen. Kaum vorstellbar, dass hier bei Hochwasser rund zweieinhalb Meter Wasser stehen.
© Nordseeküste Nordfriesland / Markus Rohrbacher
Der große Priel und das Ankommen
Wir stehen am großen Priel – dem „Point of no return“. „Es ist noch immer ablaufendes Wasser“, sagt Regina, „wir liegen gut in der Zeit.“ Nur mit dem Fernglas sind die Landmarken zu erkennen. Föhr scheint wie eine ferne Illusion über dem Horizont zu schweben. Föhr, das wirkt auf uns wie eine Fata Morgana. Kleine Priele glitzern, Sandbänke funkeln wie Gold. Vor der Insel wird die Welt wilder: tiefere Rinnen, strömendes Wasser. Im Lahnungsfeld heißt es, den sicheren Weg entlang der Holzpfosten zu halten. Schritt für Schritt wird der Untergrund fester – und dann: fester Grund. Ankommen auf Föhr. Mal anders.
Godelniederung © Föhr Tourismus GmbH / Ann-Kathrin Meyerhof
Weitere Informationen: www.reiselandniedersachsen.de